Auf der Suche nach einem Häuschen…

Unser Plan ist ja, uns in Florida ein eigenes Haus zu kaufen, statt zu mieten. Hintergrund ist, dass man fuer ein vernuenftiges “3 Bedroom” Apartment in der Palm Bay Area – will man nicht in der “schlechteren” Gegend leben – mal locker im Durchschnitt $1500 im Monat hinlegen muss. Geld, fuer das man halt auch problemlos ein vernuenftiges Haus in vernuenftiger Gegend abbezahlen kann. Und entscheidet man sich dafuer, gleich ein entsprechendes Haus zu mieten, ist man in preislichen Regionen, in denen man entweder ein entsprechend groesseres Haus kaufen oder dasselbe Haus von vorher in 10 bis 15 Jahren abbezahlt bekommt.

Langer Rede kurzer Sinn: Mieten in Florida (und, so meine Erfahrung, in den USA allgemein, solang man sich nicht mit “drittklassige Bude in meh-lage” zufriedengibt) ist sackteuer.

Nachdem wir mit unserer Bank vor Ort und mit der Hilfe eines Mortgage Brokers bereits ein gewisses Budget abgesteckt haben (zum Thema Credit Score und Mortgage schreib ich auch noch mal was), schauen wir zur Zeit online, was wir gerne haetten und was wir uns ueberhaupt leisten koennen. Dabei zeichnen sich folgende Moeglichkeiten ab:

Kategorie 1: 4 Bedroom irgendwo in den “Suburbs” von Palm Bay.
Vier Schlafzimmer, Wohnzimmer/Essbereich mit offener Kueche, Laundry Room, Doppelgarage, Garten und ein “eingekaefigter” Terrassenbereich.

Der groesste Vorteil: 4 Schlafzimmer! Heisst, wir haetten auf jeden Fall ein dediziertes Gaestezimmer am Start, was schon sehr gediegen waere, fuer Familien- und Freundschaftsbesuche. Das waere ein Feature, das wir auf jeden Fall gerne haetten. In der Preisklasse wuerde es dann ausserdem sehr warscheinlich auch ein “Concrete Block”-Haus werden, also ein Haus mit gemauerten Aussenwaenden. Was fuer den Fall eines direkten Orkantreffers natuerlich extra Sicherheit bietet.

Der groesste Nachteil: Kein Pool. Klar klingt das erstmal nach Luxusproblem und ganz schoen Snob-ig, aber zum einen haben gefuehlt die Haelfte der Haeuser in Florida einen Pool und zum anderen glaube ich, dass wir uns auf Dauer doch darueber aergern wuerden, ein Haus ohne Pool gekauft zu haben. Vom moeglichen Wiederverkaufswert eines Hauses mit Pool mal ganz abgesehen.

Dazu kommt dann als letztes sowohl der Vorteil als gleichzeitig auch der Nachteil, dass es hier “nur” fuer ein Haus in einem normalen, oeffentlichen Wohngebiet reichen wuerde. Was einerseits zwar super ist, denn man ist sein eigener Herr und kann – in der Regel – tun und lassen, was man moechte. Aber ein Haus in einer Community haette halt auch seinen Reiz (dazu spaeter mehr).

Kategorie 2: 3 Bedroom mit Pool, irgendwo in den “Suburbs”.
Wie der Name schon sagt: drei Schlafzimmer, Wohnzimmer/Essbereich mit offener Kueche, Laundry Room, Doppelgarage, Garten und ein “eingekaefigter” Terrassenbereich mit Pool.

Der grosse Vorteil waere halt: Hey, Pool, eh klar. Ich mein, einen eigenen Pool zu haben, ist gerade in einem Staat wie Florida so ziemlich das geilste, was man haben kann: Nach Feierabend oder am Wochenende mal schnell ins Wasser huepfen und abkuehlen, ohne lang herumtun zu muessen oder zum 20 Minuten entfernten Atlantikstrand fahren zu muessen *hust*.

Weiterer Vorteil und gleichzeitig Nachteil: Auch hier waeren wir wieder in einem “normalen” Wohngebiet, statt in einer Community.

Die Nachteile waeren: In unserer Preisklasse sind die Haeuser dann eher so 15-30 Jahre aelter als die in Kategorie 1 – und in der Regel “Wood Frame Structures”, also die in den USA ueblichen Holzhaeuser. Versteht mich nicht falsch, die sind auch absolut in Ordnung, und trotz dem oft gebrachten Spott dass es solche Haeuser “bei einem Sturm sofort wegweht” ist die Tatsache, dass all diese Haeuser trotz Hurrican Andrew, Charley und Irma immer noch stehen, ein Beweis dafuer dass so ein Haus in 99.999% aller Faelle genauso sicher ist. Trotzdem braucht so ein Haus mehr Pflege, ist meist aelter und kostet etwas mehr in der Versicherung. Vier Bedrooms sind in unserer Preisklasse mit Pool auch eher unrealistisch.

Ein grosser Nachteil ist natuerlich die Pflege und die Kosten eines Pools. So ein Ding will alle 2 Tage gereinigt werden, und selbst mit Poolabdeckung braucht der jede Woche, allerspaetestens alle 2 Wochen, aufwaendige Pflege. Bleibt man da nicht am Ball, wird der Pool ruckzuck veralgt und gruen. Und natuerlich muessten wir zumindest die naechsten Jahre noch ein Gelaender um den Pool aufstellen, wegen Alice. Kleine Kinder und Pools: Nene….

Kategorie 3: 3-4 Bedroom in einer Community
Das ist etwas, das es in Frankreich, Italien und Spanien auch gibt – in Deutschland aber relativ unbekannt ist: Ein Haus in einer (gated) Community. Das sind von einer Hausverwaltung geplante Wohngebiete, die “in einem Aufwasch” bebaut werden und gemeinsame Features haben. Hier haetten wir (in der Regel) ein Concrete Block Home, drei (In unserer Preisklasse hin und wieder sogar vier – vielleicht haben wir ja Glueck) Schlafzimmer, moderne Floorplans mit offenem Wohn/Ess/Schlafbereich, eigenem Garten und Terrasse.

Vorteile: Diese Communitys sind oft “gated”, das heisst nur Anwohner oder Besucher haben Zutritt zur Anlage, und oft ist der gesamte Komplex von einem umlaufenden Zaun oder aehnlichem umgeben. Ist die Community “gated” und faehrt man in eine dieser Anlagen, steht man erstmal vor einem Tor oder einer Schranke und kommt erst nach Eingabe eines Codes rein. Besucher stehen dann im Prinzip vor einer “Gegensprechanlage” vor der Schranke und rufen dort bei einem im Haus an, der dann von dort aus die Schranke oeffnet und denjenigen reinlaesst. Klar ist das jetzt kein Hochsicherheitstrakt, und jemanden der schlechtes vorhat wird auch kein Zaun und keine Schranke aufhalten. Da ich aber im neuen Job recht viel auf Reisen sein werde, wuerde ich mich doch besser fuehlen, wenn die Familie zuhause etwas geschuetzter waere, als in einem Haus direkt an der Strasse, wo Hinz & Kunz hin kommt.

Ein weiterer Vorteil ist, dass diese Communitys ein Community Center haben, mit einem oder mehreren Pools (die regelmaessig von Personal gewartet werden), Fitness Center, Sportplaetzen, Kinderspielplaetzen und Raeumlichkeiten, die man fuer Partys oder Veranstaltungen nutzen kann. Und fast immer ist eine Parkanlage mit Seen und Spazierwegen dabei. Als Eigentuemer eines Hauses in so einer Anlage bist du Mitglied einer sogenannten “Homeowners Association”, die im Prinzip die Hausverwaltung der gesamten Anlage ist, dafuer sorgt dass alles in Ordnung ist und die “gemeinsamen Anlagen” dieser Community betreibt. Diese Mitgliedschaft kostet zwar einen monatlichen Betrag – andererseits muss man fuer einen eigenen Pool in einem “normalen” Haus ausserhalb einer Community auch 150-200 Dollar Unterhaltskosten monatlich rechnen.

Ein kleiner Nachteil ist aber, dass die Community Center und der Pool eben nicht im Garten sind, wo man mal eben reinspringt – sondern man erstmal 5 bis 10 Minuten zum Center laufen muss. Andererseits bewegt man sich so wenigstens ein bisschen ;). Und man muss sich den Pool mit den ganzen Nachbarn teilen. Erfahrungsgemaess ist es eher nicht so, dass da mords viel los ist – aber man hat den Pool halt auch nicht fuer sich alleine.

Ein grosser Nachteil – und fuer mich eigentlich der einzige Grund, warum ich mich mit Communitys etwas schwer tue – ist die zu einer Community gehoerende Homeowners Association. Da gibt es naemlich solche und solche: In einer guten Community kuemmert sich die HOA um den Betrieb der gemeinschaftlichen Anlagen, sammelt Ruecklagen, organisiert Community Events und achtet allgemein drauf, dass die Anlage samt Grundstuecken und Haeusern in gutem Zustand ist und einen ordentlichen Eindruck macht (was zur Folge hat, dass solche Anlagen oft gepflegter Ausschauen als normale Wohngegenden). Leider gibt es aber Communitys, die das mit dem “guten Zustand und ordentlichen Eindruck” deutlich uebertreiben: Da geht es dann so weit, dass man vorgeschrieben bekommt welche Pflanzen man vor dem Haus pflanzen darft, welche Farben die Gardinen in den Fenstern haben duerfen, man sein Auto nicht auf der Auffahrt sondern nur in seiner Garage parken darf und man keine Gartenstuehle oder Kinderspielzeug im Garten haben darf, da das sonst “keinen ordentlichen Eindruck” macht. Auch Seasonal Decorations sind dann streng reglementiert, und Weihnachtsbeleuchtung oder Halloweendeko wird auf “eine Lichterkette am First” oder “maximal 2 Jack-O-Lanterns” begrenzt. Und wer mich kennt, weiss: Das geht mal gar nicht.

Langer Rede kurzer Sinn: Was wir kaufen werden, wissen wir leider immer noch nicht wirklich. Ich bin im April voraussichtlich in den USA und werde mir vorab schonmal ein paar Sachen anschauen und Eindruecke sammeln. Hoffentlich wissen wir dann bis zum eigentlichen Umzug was wir wollen, so dass wir keine Zeit verlieren und direkt nach dem fuer uns passenden Haus suchen koennen. Ich bin gespannt!